Frakturprophylaxe durch gezielten Einsatz von Hüftprotektoren im AWO-Seniorenzentrum Ortenburg „Inge Gabert“

- Sturzprophylaxe unter Wahrung der Menschenwürde und weitgehender Erhaltung der Selbständigkeit unserer Bewohnerinnen und Bewohner -

 

Mit der Einführung der Anti-Frakturhosen (AFH) Mitte 2003 begann ein Sensibilisierungsprozess beim Pflegepersonal für das vielschichtige Problem der Sturzgefährdung unseres Klientels.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind ca. 40 AFH  im Einsatz; im Dezember 2003 war der Bestand bei 16 Protektoren, sodass sich die Anzahl bis dato gut verdoppelt hat.

Welche Wirkungsweise haben AFH?

Nach dem Sturzhelmprinzip, d. h. die Aufprallwucht eines Sturzes wird auf das umliegende Weichteilgewebe abgeleitet - eine Fraktur des Oberschenkelhalses wird hoher Wahrscheinlichkeit vermieden.

Welche Produkte gibt es?

Mittlerweile sind sehr viele innovative Produkte auf dem Markt, z. B. Hüfthosen mit fest eingenähten oder herausnehmbaren Schalen; Hosen mit Eingriff für Herren; Hosen mit Aussparung im Intimbereich für inkontinente Bewohner, als Hüftgürtel zum Tragen auf der Kleidung oder Schalen zum direkten Anbringen auf der Haut. Der Tragekomfort der Hosen ist sehr gut und Akzeptanz beim Bewohner stellt sich nach etwa 2- 4 Tagen ein.

Wer wird mit AFH versorgt?

Leitkriterium ist und bleibt die mehr oder weniger unsichere Gehfähigkeit.
Um einen unsicheren Gang zu erkennen, bedarf es zunächst keines Expertenstandards, sondern nur der genauen Beobachtungsgabe des Pflegepersonals. Natürlich stecken hinter einem unsicheren Gangbild viele Risikofaktoren, die mit einem wissenschaftlich belegtem Assessmentinstrument hinterfragt werden können.

Nicht jede/r sturzgefährdete Bewohner/in kann mit dem Hilfsmittel versorgt werden!

Immer noch sträuben sich die Krankenkassen, die Kosten für Hüftprotektoren zu übernehmen, obwohl ein Vielfaches einzusparen wäre, wenn man bedenkt, dass die Kosten einer OP bei OSH-Fraktur ca. 5000 € betragen, und die für eine Reha in etwa noch mal das gleiche.

Zur Zeit werden die Kosten für dieses Hilfsmittel von unserem Haus und teilweise auch von Angehörigen getragen. Bei entsprechender Beratung und Information sind Angehörige sehr aufgeschlossen und beteiligen sich in der Regel an den Kosten.

Zur Zeit können 11 Bewohner/innen mit AFH versorgt werden; dies entspricht ca. 60 % derer, die nach unserer Einschätzung AFH benötigen würden.

Für die Zukunft ist Bildung eines Pools geplant, um akut gefährdete Bewohner schnell versorgen zu können.

 

Der Einsatz von Hüftprotektoren stellt nur einen Bruchteil einer sinnvollen Sturzprophylaxe dar!

Unter Anleitung unserer engagierten Ergotherapeutin werden regelmäßig mobilitätsfördernde Übungen, wie z. B. Balanceübungen, leichte Kraft- und Ausdauereinheiten durchgeführt.

Mobilitätsförderung hat das Ziel, die Beweglichkeit unserer Kunden zu stabilisieren und die Angst vor einem Sturz zu reduzieren und letztlich die Zufriedenheit unseres Klientels zu verbessern.

Das architektonische Gesamtkonzept unseres neuentstandenen Seniorenzentrums bietet eine angenehme Wohnatmosphäre und kaum Sturzpotential!

Großzügig geschnittene Zimmer ohne Stolperfallen -  breite, helle Flure mit vielen Sitzmöglichkeiten und die quadratische Anordnung der Gänge („Rundlaufprinzip“) dienen  einer besseren Orientierung und laden unsere Bewohner/innen zum „Wandern“ ein. (Klaus Schreiber, PDL - Seniorenzentrum Ortenburg „Inge-Gabert“)

 

Urkunde03